Korallenriffe und Pusteblumen

Das digitale Medienzeitalter bedeutet für freie Journalisten scheinbar unbegrenzte Publikationsmöglichkeiten. Die Teilnehmer beim Barcamp im Rahmen des Helmut Schmidt Journalistenpreises diskutierten in welcher Form diese auch rentabel sein können.

Festanstellungen für Journalisten sind heutzutage ein Luxus, auf den man nicht zählen kann.  Darin sind sich alle 50 Teilnehmer des Barcamps „Entrepreneurial Jourrnalism“ der ING-DiBa im Kap Europa einig. Unter dem Titel „Crowdfunding, Paywalls, Kommunikation oder Corporate Publishing – wie kann man als freier Journalist in Zukunft Geld verdienen?“, diskutierten sie daher am 26. Oktober über alternative Geschäftsmöglichkeiten für Journalisten.

Soloprojekt oder in Genossenschaft?
Innovative Ansätze präsentieren gleich zu Beginn zwei Expertinnen im Impulsgespräch. Sarah Pust, Gründerin von pusteblumemedia.de berät Unternehmen, Agenturen und Redaktionen in der digitalen Öffentlichkeitsarbeit. Sie unterstreicht, dass die zahlreichen Publikationsmöglichkeiten nicht zwangsläufig wirtschaftlich rentabel sind: „Freie Onlinejournalisten verdienen häufig so viel wie Friseure“. Für langfristigen Erfolg brauche es einen klaren Plan, eine gute Qualifizierung und insbesondere einen langen Atem: „Es kann drei Jahre dauern, bis ein Geschäftsmodell rentabel ist.“

Marianne Falck ist bei „RIFFReporter“ Teil eines Netzwerks, das Journalisten die Veröffentlichung ihrer Arbeit auf einer digitalen Plattform ermöglicht. Das Besondere dabei: Die Autoren bestimmen selbst über das Bezahlmodell für ihre Artikel. So können sie sich für einzelne Artikel bezahlen lassen, Abonnements anbieten oder auch die Leser entscheiden lassen, was ihnen ein Artikel wert ist.

Trotz dieser schwierigen Aussichten sind sich beide Expertinnen dennoch einig, dass die Online-Medien auch viele neue Chancen für Journalisten eröffnen. „Vor 20 Jahren war es nicht möglich, ohne Herausgeber zu arbeiten. Heute können Reporter selbst direkt mit Lesern in Kontakt treten und so Beziehungen aufbauen“, betont Marianne Falck. „Inhalte können nicht mehr nur an Redaktionen verkauft werden“, stimmt Sarah Pust zu.

Nichts geht über das Netzwerk
Wie kann man also als freier Journalist Fuß fassen? Die Impulsgeberinnen empfehlen einen klaren Plan und den gezielten Aufbau von Kontakten, die die eigenen Ideen unterstützen können. Diesen Tipp können die Teilnehmer des Barcamps direkt in die Praxis umsetzen: In der „Expertensprechstunde“ stellen sich sieben Fachleute den Fragen der Teilnehmer und beraten zu Themen wie Marketing, Existenzgründung und Social-Media-Recht. Anschließend finden sich die Teilnehmer in Workshop-Gruppen zusammen, um Ideen zu weiterzuentwickeln und den persönlichen Austausch zu vertiefen.

Freiheit ist schön, aber herausfordernd
In der Abschlussdiskussion ziehen Expertinnen und Teilnehmer ein gemeinsames Fazit: Freies Arbeiten hat für Journalisten gewisse Vorteile, insbesondere eine selbstbestimmte Gestaltung des Arbeitsalltags. Um erfolgreich zu sein, braucht es aber ein Plan, sowohl in Form einer langfristigen Geschäftsstrategie wie auch bei der Organisation der täglichen Arbeit.

Copyright: ING-DiBa

Moderation:

Tabea Grzeszyk
arbeitet als freie Journalistin und ist Gründerin sowie CEO von hostwriter.org, einer gemeinnützigen Plattform für journalistische Kollaborationen weltweit. Die studierte Kulturwissenschaftlerin hat ein trimediales Volontariat an der EMS-Schule für elektronische Medien in Potsdam-Babelsberg abgeschlossen (Online, Radio, TV), ist Alumna des VOCER Innovation Medialab, IJP Middle East Fellow/Libanon und aktuelle Grenzgänger-Stipendiatin. Sie arbeitet freiberuflich u.a. für Deutschlandfunk Kultur und als Journalismus-Dozentin an der Hochschule Hannover.