Wer scheitert, muss auch wieder aufstehen

Journalisten werden immer mehr zu Unternehmern. Worauf es dabei gerade im digitalen Medienzeitalter ankommt, haben mehr als 55 Journalisten beim Barcamp zum Thema „Entrepreneurial Journalism“ in Frankfurt diskutiert.

 

Vor zwei Jahren hat Melanie Croyé gemeinsam mit drei weiteren Journalistinnen das Frauen-Business-Magazin „BizzMiss“ gegründet. Selbstbestimmt wollten sie Karriere- und Wirtschaftsthemen platzieren. Doch die vier Frauen sind gescheitert. Im Januar 2016 wurde das Magazin eingestellt. In einem Impulsvortrag beim Barcamp „Entrepreneurial Journalism“ der ING-DiBa im Kap Europa in Frankfurt erklärte Melanie Croyé vor mehr als 55 Teilnehmern, warum.

„Wir haben einfach nicht unternehmerisch gedacht. Es hat sich keiner um die Strategie gekümmert“, sagte die Absolventin der Kölner Journalistenschule für Politik und Wirtschaft. Für sie selbst ist „BizzMiss“ eine wichtige Erfahrung, aus der sie gelernt hat und die sie nicht missen möchte. Sie motivierte die Journalisten beim Barcamp daher, an eigene Ideen zu glauben und sie in die Tat umzusetzen. „Wagt etwas, seid mutig und probiert euch aus. Feste Jobs in der Redaktion wird es nicht mehr lange geben.“

Reichweite verbessern

In Gruppen erarbeiteten die Teilnehmer Ideen zu Themen wie beispielweise die Zukunft des Qualitätsjournalismus, Selbstvermarktung oder Nischen in Deutschland. In den Diskussionen wurde schnell deutlich, wie wichtig es ist, sich mit bekannten und gut vernetzten Menschen zusammenzutun, um die eigene Reichweite zu verbessern. In einer Live-Umfrage stimmten 65 Prozent der Teilnehmer für die Zusammenarbeit mit sogenannten Influencern.

Eine Teilnehmerin betonte außerdem, welchen Stellenwert heute die Analyse von Zielgruppen hat, um maßgeschneiderte Inhalte liefern zu können. Auch die Rolle als Experte für ausgewählte Themen stand im Fokus. „Wir müssen uns Fachwissen aneignen, um beispielsweise politische Entscheidungen richtig darstellen zu können. Nur so können sich unsere Leser eine eigenen Meinung bilden“, sagte die Frau. In diesem Zusammenhang betonte sie auch, welche Bedeutung eine fundierte Recherche hat und merkte an, dass Journalisten gerade in Zeiten sinkender Budgets immer mehr unter Zeitdruck stünden, was häufig zu Lasten der inhaltlichen Qualität ginge.

Ein Team, verschiedene Kompetenzen

Melanie Croyé und ihre Geschäftspartnerinnen hatten sich damals bei „BizzMiss“ bewusst dagegen entschieden, große Verlage mit ins Boot zu holen. Sie wollten keine Stimmrechte abgeben oder auf ihre journalistische Freiheit verzichten müssen. „Es war uns wichtig, selbst entscheiden zu können, welche Themen wann und wo gespielt werden.“

Heute ist Melanie Croyé der festen Überzeugung, dass sie nicht erfolgreicher waren, weil alle vier Gründerinnen Journalistinnen waren. „Wir hätten jemanden gebraucht, der unternehmerisch denkt, Ahnung von Marketing hat und eben über ganz andere Kompetenzen verfügt.“

Trotz der einschneidenden Erfahrung würde Melanie Croyé jederzeit wieder gründen. Sie würde es nur etwas anders machen und auf ein gemischtes Team setzen.

Zur Person

Melanie Croyé
arbeitet seit 2010 erfolgreich und glücklich als freie Journalistin in Berlin. Über spannende, witzige und informative Themen in den Bereichen Wirtschaft, Bildung und Trends schreibt sie für überregionalen Medien, vor allem für das Handelsblatt, Spiegel Online und die Welt. 2014 hat sie mit drei Kolleginnen das Frauen-Business-Magazin BizzMiss gegründet - und 2016 wieder eingestellt. Sie ist Absolventin der Kölner Journalistenschule für Politik und Wirtschaft.

Moderation:

Tabea Grzeszyk arbeitet als freie Journalistin und ist Gründerin sowie CEO von hostwriter.org, einer gemeinnützigen Plattform für journalistische Kollaborationen weltweit. Die studierte Kulturwissenschaftlerin hat ein trimediales Volontariat an der EMS-Schule für elektronische Medien in Potsdam-Babelsberg abgeschlossen (Online, Radio, TV), ist Alumna des VOCER Innovation Medialab, IJP Middle East Fellow/Libanon und aktuelle Grenzgänger-Stipendiatin. Sie arbeitet freiberuflich u.a. für Deutschlandradio Kultur- und als Journalismus-Dozentin an der Hochschule Hannover.

Copyright: ING-DiBa